Die Pascha Gazi Moschee in Pécs
Einleitung:
Pécs ist für seine religiösen Gebäude im gesamten Land bekannt. Vertreter aus dem christlichen, jüdischen und islamischen Glauben sind in der Innenstadt zu finden, wobei jedes Gebäude einige Besonderheiten aufweist. Einer der außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten von Pécs ist die Moschee von Pascha Gazi, welche häufig aber einfach nur als Moschee von Pécs bezeichnet wird. Architektonisch ist sie der größte Vertreter islamischer Architektur in ganz Ungarn und mit ihrer besonderen Lage ist sie auch einer der monumentalsten Gebäude der Stadt. Außer einer großartiger Außenarchitektur und einer beeindruckender Innenausstattung sind die Besucher gleich zu Beginn davon beeindruckt, dass das Gebäude heute von einer römisch-katholischen Gemeinde genutzt wird.
Geschichte:
Die Geschichte der Pécser Moschee ist genauso vielfältig wie das Gebäude selbst. Ursprünglich stand früher an dieser Stelle eine christliche Kirche, welche im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Das Gebäude wurde aber am Ende des Jahrhunderts Opfer eines Stadtbrandes und so wurde die Kirche in einem gotischen Stil neu errichtet. Obwohl die neue Kirche schon weitaus größer war als die Ursprüngliche, musste sie im 14. und 15. Jahrhundert dennoch weiter ausgebaut werden. Der Grund hierfür lag darin, dass die Handelsstadt Pécs so schnell wuchs, dass die Nachfrage nach Kirchen immer größer wurde.
Im Jahre 1543 endete die Ära der christlichen Kirche, wobei gleichzeitig auch die Ära der Moschee von Pécs begann. Nach der Niederlage in Mohács besetzten die Osmanen Pécs und rissen die Kirche ab. Pascha Gazi Kasim ordnete an, aus den Steinen eine Moschee zu errichten, die ihm würdig wäre. So geschah es auch und das imposante Gebäude war bereits 1546 fertiggestellt. Sowohl in Ungarn als auch im osmanischen Reich war das Bauwerk bald bekannt. Neben einer prunkvollen Einrichtung gab es bereits vor dem Haupteingang mit Kuppeln überdachte Vorgebäude und auch ein imposantes Minarett. Ab diesen Zeitpunkt wurde das Gebäude auch regelmäßig für die Religionsausübung verwendet.
1686 war für die Moschee von Pécs ein bedeutendes Jahr, als die Osmanen aus der Stadt vertrieben wurden. Da das Gebäude inzwischen berühmt war, wurde beschlossen es nicht abzureißen, sondern stattdessen dem örtlichen Jesuitenorden zu übergeben. Die Mönche entfernten alle türkischen Symbole und räumten die neue Kirche leer und wandelten sie dann wieder in ein christliches Gotteshaus um. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrmals renoviert, zuletzt nach der ungarischen Revolution im Jahr 1956. Heute nutzt eine römisch-katholische Gemeinde die Sehenswürdigkeit als Kirche und lädt Besucher zu einem architektonischen Rundgang ein, welcher mit zahlreichen Informationen in Form von Schriften und Karten ergänzt wird.
Außenarchitektur:
Wenn Besucher den Széchényi Platz erreichen, dann sticht die Pécser Moschee sofort ins Auge. Das Gebäude ist völlig freistehenden und ist mit keinem anderen Gebäude direkt verbunden. Vor dem Haupteingang befindet sich der eigentliche Platz, wodurch die Moschee weitaus größer erscheint, als sie tatsächlich ist. Dennoch beeindruckt sie mit ihren Maßen. Sie ist 29 Meter lang und 16 Meter breit, dazu kommt eine Höhe von rund 22,5 Metern. Mit diesen Maßen ist sie das größte Gebäude aus der islamischen Zeit in ganz Ungarn, noch dazu ist sie einer der besterhaltenen Gebäude aus dieser Zeitepoche.
Gleich zu Beginn fällt einem am Haupteingang auf, dass die Pécser Moschee weder ein Minarett besitzt, noch die erwähnten Vorgebäude. Dies liegt daran, dass nach dem Umbau der Jesuiten diese Elemente entfernt wurden, da sie im christlichen Glauben keine Verwendung mehr hatten. Das Gebäude besteht aus einem quadratischen Anteil, welcher mit einem Halbkreis ergänzt wird. Auf dem vorderen Quadrat befindet sich die imposante grüne Kuppel, die auf ihrer Spitze mit einem christlichen Kreuz verziert ist. Die Ziegelsteine des Bauwerks sind eindeutig zu sehen und von außen können bereits die sehr schön verzierten Fenster erkannt werden. Oberhalb jedes Fensters sind auch Verzierungen zu finden, die eindeutig der osmanischen Architektur zuzuordnen sind.
Innenarchitektur und Einrichtung:
Beim Betreten der Moschee von Pécs ist sofort ersichtlich, dass es sich um keine typische Kircheneinrichtung handelt. Unter der Kuppel sind die Kirchenbänke zu finden, welche in Richtung der halbkreisförmigen Erweiterung blicken. Die Kuppel und auch die Wände sind mit Fresken bemalt, jedoch wurden von der Innenarchitektur auch einige wenige osmanische Elemente beibehalten. Da es sich hierbei nicht nur um eine Kirche handelt, sondern auch um eine beliebte Sehenswürdigkeit, wurden im erweiterten Bereich des Gebäudes typisch islamische Gegenstände aufgestellt. Zu den einzelnen Exponaten sind Informationen vorhanden, die über die Geschichte des Gebäudes und über die Religionen aufklären.
Zwei Elemente der Moschee von Pécs sind noch zusätzlich hervorzuheben. Diese sind die Orgel und der heutige Turm mit den Glocken. Die Orgel wurde 1886 fertiggestellt und besaß 30 Register. Im Jahr 1941 wurde die Orgel auf 40 Register erweitert und auch modernisiert, wodurch sie bis heute bei Gottesdiensten verwendet wird. Einzigartig ist die Lage der drei Kirchenglocken. Sie befinden sich hinter dem eigentlichen Gebäude in einer kleinen Wiesenanlage. Der für Glocken untypische Ort wurde 2004 ausgewählt, da der mittelalterliche Kirchturm beim Abriss zerstört wurde. Nun erklingen die bis zu 300 Kilogramm schweren Glocken zu jeder vollen Stunde nicht in der Kirche, sondern dahinter.
Heutige Funktion:
Die römisch-katholische Gemeinde, die die Moschee von Pécs heute nutzt, ist über ihre Kirche sehr froh. Einerseits bietet das Gebäude für alle Besucher eines Gottesdienstes genügend Platz und andererseits erzeugt es während den Gottesdiensten ein außergewöhnliches Ambiente. Jeden Sonntag nutzt die Gemeinde den Ort, aber auch an anderen Tagen finden entweder Prozessionen oder Gemeindeprogramme statt. Insbesondere an Feiertagen kommen derart viele Kirchgänger, dass der Platz trotz der enormen Ausmaße eng wird. Zeitgleich ist die Pécser Moschee nicht nur eine Kirche, sondern auch eine Sehenswürdigkeit, die jährlich von tausenden Besuchern betrachtet wird, wodurch sie für Gäste aus aller Welt geöffnet ist.
Zusammenfassung:
Die Pécser Moschee besitzt so viele einzigartige Merkmale, dass sie sich schon längst zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt hat. Während der osmanischen Besatzung war sie bereits international bekannt und auch heute kennen viele Menschen die besterhaltene Moschee in Ungarn. Ein Besuch sollte daher während einem Aufenthalt in Pécs unbedingt stattfinden. Schon von außen beeindruckt das Gebäude mit seiner Form und seiner Architektur und auch die vielen Details wie die Fenster, die alleinstehenden Glocken und die christlichen Fresken erzeugen ein Erlebnis, an das man sich noch lange Zeit gerne erinnert. Ein Besuch der Moschee von Pécs bedeutet die Entdeckung der Fusion aus osmanischer Architektur und christlicher Religion, die in dieser Form sicherlich einzigartig auf der Welt ist.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Gázi Kászim pasa dzsámija
https://sites.google.com/site/belvarosiplebaniapecs/homeÖffnungszeiten: Die Renovierungen am Bauwerk sind voraussichtlich bis Juni 2015 abgeschlossen. Ab dann sollte die Moschee durchschnittlich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet sein
Eintritt: Ab der Eröffnung im Juni 2015 wird wahrscheinlich ein Erwachsenenpreis von nicht mehr als 1000Ft anfallen
Zugang: Direkt am Hauptplatz liegend kann die Moschee sehr einfach erreicht werden, jedoch stehen direkt beim Gebäude keine Parkplätze zur Verfügung
Informationen: Es stehen keine expliziten Beschilderungen zur Verfügung, jedoch können Führungen organisiert werden
Bilder Moschee Pécs
Karte der Moschee von Pécs
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