Die Burg Hollókö (Hollóköi Vár)
Einleitung:
Vor 100 Jahren hätten die Einwohner der kleinen Gemeinde Hollókö niemals gedacht, dass sie ab dem 21. Jahrhundert ein Zentrum der ungarischen Kultur sein würden. Das Dorf Hollókö ist heute nämlich Teil des ungarischen Weltkulturerbes und dadurch ein Bewahrer der Traditionen des Landes. In der Nähe der Siedlung, an einem Felsvorsprung stehend, befindet sich die Burg Hollókö, welche beinahe so alt ist wie die Siedlung selbst. Sie besitzt nicht nur eine lebhafte Geschichte, sondern sie wird heutzutage auch für Ausstellungen und Burgspiele genutzt. Dadurch wird ein Besuch dieser besonderen ungarischen Burg nicht nur lehrreich, sondern auch faszinierend.
Geschichte:
Wann der erste Turm der Burg Hollókö errichtet wurde ist bis heute nicht geklärt. Fest steht aber, dass der Bau von der Familie Kacsics angeordnet wurde, nachdem der verheerende Tatarensturm über Ungarn fegte. Nach der Errichtung des Grundturms wurden bald weitere Elemente wie die Außenmauer, Innere Verteidigungsebenen und Zisternen errichtet. Schon 1312 wurde die Burg das erste Mal von König Károly belagert, jedoch gelang es ihm nicht sie einzunehmen. Bis zum 16. Jahrhundert wechselten die Besitzer der Burg regelmäßig, da Familien ausstarben und Territorien neu verteilt wurden. Aufgrund einer fehlenden Familienführung konnten die Osmanen die Burg Hollókö ohne großen Widerstand im Jahre 1552 erobern.
Während der türkischen Besatzung erhielt die Burg Hollókö keine nennenswerte Bedeutung, es wurden lediglich einige wenige Wachposten zurückgelassen. Im Jahr 1593 wurde sie daher ein weiteres Mal ohne große Schlacht übernommen, diesmal von den Truppen von Miklós Pálffy und Kristóf Tiefenbach. Als die Osmanen dies erfuhren wurde die Burg wiederum erobert, letztendlich wechselte die Burg bis 1683 ihre Besitzer. Danach wurde beschlossen die Burg abzureißen und ab 1701 verwandelte sie sich allmählich in eine Ruine. Erst 1966 begannen die ersten Ausgrabungen und Restaurationen und erst 1996 wurde die Burg Hollókö nach 30 Jahren der Restauration der Siedlung und dem ungarischen Tourismus übergeben, damit ihre Geschichte neuentdeckt werden konnte.
Heutiger Zustand und Burgteile:
Die heutige Burg Hollókö wurde für ihre Verhältnisse so gut wie möglich restauriert. Nachdem die Grundmauern und einzelne Teile ausgegraben wurden, haben Architekten und Archäologen die Struktur, sowie alte Burgpläne studiert und haben mit authentischen Materialien fehlende Burgteile repariert. Bei der Wiederherstellung wurden absichtlich kleinere Elemente nicht behandelt, damit Besucher den Kontrast zwischen ihrem einstigen Zustand und dem Verfall ab dem 18. Jahrhundert sehen können. Der Zugang zur Burg wird mit einem kleinen Weg ermöglicht und die Sicherheit der Burg wird jährlich überprüft, da hier nicht nur eine ständige Ausstellung zu finden ist, sondern auch regelmäßig Burgfestspiele stattfinden.
Die heutige Burg Hollókö besteht aus insgesamt drei Ebenen. Am Rand des Steinvorsprungs ist zunächst die äußerste Mauer zu finden, die das Eindringen durch Feinde verhindern sollte. Der Innere Bereich wird durch eine zweite Mauerschicht in zwei Hälften geteilt. Die höhergelegene Hälfte beinhaltet den Burgfried, während die niedrigere Hälfte Platz für Soldaten und Bürger ermöglichte. Die Verteidigung wurde von außen mit einem Burgtor ohne Burggraben bewerkstelligt, welches bei Einlass runtergelassen wurde. Innerhalb der Burg können die einzelnen Bereiche mit Treppen erreicht werden, die in den Felsen gemeißelt wurden. Die rundliche Form der Mauern und des Burgfrieds ermöglichen einen besseren Schutz gegen Kanonen und Katapulte.
Ausstellungen:
Aufgrund der vielen Besucher wurden in der Burg Hollókö insgesamt vier ständige Ausstellungen aufgebaut. Im Burgfried ist zunächst das Panoptikum, oder der "Kacsics-Raum", zu finden. Hier wird anhand von Bildmaterialien und Puppen das Leben im 13. Jahrhundert erläutert und auch das Leben innerhalb der Burg selbst geschildert. Gleich in der Nähe befindet sich auch die Waffenkammer. Hier werden Waffen aus dem Zeitraum des 11.-16. Jahrhunderts ausgestellt. Zusätzlich sind auch die Wappen verschiedener Adeliger zu sehen und Bildchroniken berichten über Ereignisse und Schlachten. Zu vielen Exponaten gibt es inzwischen auch Erklärungen und Beschreibungen, damit die Besucher die Bedeutung dieser Ausstellungsstücke verstehen können.
Die Burgkapelle, welche aus dem 14. Jahrhundert stammt, bietet einen Einblick in die religiösen Aspekte der Burg. Christen aber auch Moslems nutzten diesen Ort, um zu Gott zu beten. Die heutige Kapelle steht auf den Resten der ursprünglichen Kapelle, die damals vollkommen zerstört wurde. Im Lapidarium wird erklärt, wie die Forscher bei der Ausgrabung und Restauration der Burg vorgegangen sind. Verschiedene Modelle zeigen auch die ursprüngliche Form der Burg. Zusätzlich zu diesen Ausstellungen laden seit 2003 auch Ritter und Edelsmänner dazu ein, auf dem Burggelände einige mittelalterliche Waffen auszuprobieren. Dazu gehören zum Beispiel Armbrüste und Lanzen.
Burgspiele:
Auch wenn die Burg Hollókö von keinem mehr bewohnt wird, so verwandelt sie sich einmal jährlich in eine wahre Zeitmaschine. Im August strömen Ritter, Bauern und Gaukler aus dem ganzen Land zur mittelalterlichen Burg, um die Burgfestspiele zu beginnen. Während dieser Zeit werden Schaukämpfe abgehalten, Geschichten erzählt, gekocht und noch vieles mehr. Die graue Burg wird mit verschiedenfarbigen Wappen und Dekorationen geschmückt und auch die Ritter bringen ihre Kriegsflaggen und Wappen mit. Die jeweiligen Aktivitäten finden innerhalb der Burgmauern, aber auch davor statt und die Authentizität liegt den Schauspielern an oberster Stelle. Deshalb sind auch die Kleidungen und die Rüstungen der damaligen Zeit nachempfunden, um ein einzigartiges Erlebnis genießen zu können.
Besucher der Burg Hollókö sollten sich daher unbedingt die Burgfestspiele ansehen. Bei den Schaukämpfen handelt es sich um Kämpfe zwischen den Ungarn und den Osmanen, die die verschiedenen Belagerungen rekreieren. Die Geschichtenerzähler berichten über die zahlreichen Legenden und Mythen der Burggeschichte, so wie zum Beispiel die Legende der Namensgebung. Angeblich soll András Kacsics eine bildhübsche Frau entführt haben und die Burg Hollókö errichtet haben, um sie dort einzusperren. Dies verursachte aber einen Fluch und die Steine der Burg wurden von Raben, die im Ungarischen Holló heißen, geraubt und weggetragen wodurch die junge Frau befreit werden konnte.
Zusammenfassung:
Aufgrund der interessanten Burggeschichte und der bis heute lebhaften Tradition auf der Burg ist die Burg Hollókö ein sehr beliebtes touristisches Ziel. Sie ist nicht nur Teil des Weltkulturerbes, sondern befindet sich auch im Hollókö Naturschutzgebiet, welches Teil des Bükk Nationalparkes ist. Das schneckenhausförmige Burgareal wird inzwischen von Besuchern aus aller Welt bestaunt und viele Menschen kommen auch zu den Burgfestspielen im August. Während einem Ausflug in Nordungarn sollte die Burg Hollókö also unbedingt in das Programm aufgenommen werden, da sie nicht nur die ungarische Geschichte vermittelt, sondern bis heute ein lebendiger Teil der Gemeinde Hollókö ist, welche eine Symbiose aus Tradition und Tourismus geschaffen hat.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Hollóköi Vár
http://www.holloko.hu/hu/info/hollokorol/hollokoi-var/Öffnungszeiten: Die Burg ist vom 1. April bis zum 31. Oktober täglich von 10:00 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet
Eintritt: Erwachsene 700Ft / Kinder und Senioren 350Ft
Zugang: Durch die Nähe zur Altstadt ist die Burg leicht erreichbar
Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch vorhanden, auf Anfrage kann eine Führung in einer anderen Sprache organisiert werden
Karte der Burg Hollókö
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Bildquellen und Bildrechte:
(1) Ramirez HUN, 2007, Keine Lizenzen
(2) Pásztörperc, 2010, Creative Commons 3.0
(3) Pásztörperc, 2010, Creative Commons 3.0
(4) Bárdos Veronika (Győr), 2009, Creative Commons 3.0
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